Im diy-Fachmagazin wurden in der Vergangenheit hin und wieder – selten genug – Bücher vorgestellt, aber so eines noch nie: Ein Roman. Kein Fachtitel. Fiktion. Erfundenes. Und ein bisschen sex and crime kommt auch vor.
„Die Möglichkeit einer Ordnung“ des Bonner Autors Denis Pfabe ist Anfang des Jahres im Verlag Rowohlt Berlin erschienen. Er hat es ins nicht vorhandene Feuilleton dieser Fachzeitschrift geschafft, weil er in einem Baumarkt spielt: Bis auf eine Ausnahme arbeiten sämtliche Figuren um den Protagonisten Levin Watermeyer aus der Gartenabteilung in einem Baumarktunternehmen.
Grund genug, dem eine Seite im diy und kostbare Lesezeit zu opfern? Ja, denn lesen bildet, auch ausgewachsene Führungskräfte. Die können in diesem Fall nämlich etwas darüber lernen, was ihre Leute wirklich beschäftigt, womit sie sich herumschlagen müssen, was sie über die Kunden vor ihnen am Regal und die Hierarchien über ihnen denken und was sie vielleicht nicht im Jahresgespräch oder bei der Mitarbeitendenbefragung sagen.
Denn was der Autor sie denken, fühlen und sagen lässt, ist meist nicht sehr freundlich. Der Arbeitsplatz Baumarkt, die Kunde und die Chefs kommen nicht gut weg: Der Arbeitsplatz verursacht Stress statt Freude, die Kunden werden als „Idioten“ oder „Feinde“ tituliert, die Chefs von der Marktleitung bis hinauf zum Inhaber sind kalte Machtmenschen.
Und letztlich denken die Figuren selbst schlecht über sich. Einmal heißt es im Buch: „Immer wieder erstaunlich, wie oft er am Tag log. Meist sogar den Leuten ins Gesicht, und während er es tat, glaubte er ganz fest an die Wahrheit der Worte, die er sprach. Levin Watermeyer war ein guter Kaufmann.“
Dieses negative Bild, das da vom Innenleben des Baumarkts gezeichnet wird, könnte einem vielleicht egal sein, wenn man nicht einen Blick in die Vita des Autors geworfen hat: Denis Pfabe weiß, wovon er spricht, denn er ist gelernter Einzelhandelskaufmann und hat lange in einem Baumarkt auf dem Gabelstapler gearbeitet. Mit immer wieder eingestreuten Begriffen aus dem Jargon des Handels belegt er, dass er die Innensicht kennt: „Fläche“, „Umsatz generieren“, „Kalthalle“ oder „WE für Wareneingang“.
Außerdem weist er sich als Kenner der Szene durch die Szenerie aus, die schon wieder viel zu auffällig jede Ähnlichkeit mit realen Unternehmen…













