Das neue Baumaterial Morphit kann beispielsweise zur Herstellung von Blöcken, Wänden und Trennwänden verwendet werden. 
Das neue Baumaterial Morphit kann beispielsweise zur Herstellung von Blöcken, Wänden und Trennwänden verwendet werden. 

Branchenausblick | Langfassung

Ideen sind da

Bezahlbar bauen, nachhaltig bauen, generationengerecht bauen – auf dem Markt gibt viel zu beachten, aber auch viel zu gewinnen. Wie das gelingen kann? Innovation und Kundenorientierung sind hier gar keine schlechten Stichworte. 

Auf dem vergangenen BHB-Kongress hörte man viele zukunftsträchtige Worte: „Innovation, Veränderung, Technologie, Kundenorientierung.“ Was man dieses Mal – bis vielleicht auf den alljährlichen Aufruf zur Teilnahme am BHB-Baumpflanzprojekt – seltsamerweise eher weniger hörte, waren „Nachhaltigkeit“ oder „Klimaschutz“. Dabei gibt es in dieser Hinsicht aus der Branche doch viel zu berichten: Sei es mit der Initiative „Make it zero“ des internationalen Händlerverbands Edra/Ghin, der selbst mit einem Stand auf der Ausstellung im Foyer vertreten war, oder mit dem Klima-Partner-Programm der Bauvista.

Im Klima-Partner-Netzwerk der Bauvista sind Lieferanten vernetzt, die in ihren Unternehmensprozessen und ihrer Produktentwicklung auf nachhaltige Lösungen setzen.
Im Klima-Partner-Netzwerk der Bauvista sind Lieferanten vernetzt, die in ihren Unternehmensprozessen und ihrer Produktentwicklung auf nachhaltige Lösungen setzen. (Quelle: Dähne Verlag, Strnad)

Bei den Unternehmen der Branche regnet es regelrecht Nachhaltigkeitsauszeichnungen (Kosche, Dachser, Vitra Bad, Laserliner, Fischer). Knauf plant gemeinsam mit der BSR Bodensanierung Recycling GmbH eine Gipsrecyclinganlage in Bayern. Bosch hat 2025 eine Bohrmaschine vorgestellt, die zu fast 80 Prozent aus recyceltem Material besteht. Wiederverwendeter Kunststoff findet sich in zahlreichen Produkten in den Baumarktregalen, sei es bei Akustikpaneelen (Selit), Malerwerkzeug (Color Expert, Nespoli), Handschuhen (Gebol) oder WC-Sitzen (Wenko). Viele Anbieter verwenden statt Plastik auch einfach Pappe (Frogtape, Gardena).

Knauf will künftig noch deutlich mehr Recycling-Gips für seine Produkte verwenden und hat daher ein Joint Venture mit einem Partnerunternehmen gegründet, um eine neue Gipsrecyclinganlage zu bauen. 
Knauf will künftig noch deutlich mehr Recycling-Gips für seine Produkte verwenden und hat daher ein Joint Venture mit einem Partnerunternehmen gegründet, um eine neue Gipsrecyclinganlage zu bauen.  (Quelle: Knauf)
Die Sonderedition der Bohrmaschine Universal Impact 800 besteht zu 78 Prozent aus recyceltem Gehäusematerial, also allen von außen sichtbaren Komponenten des Hauptprodukts ohne Kabel und Zubehör. 
Die Sonderedition der Bohrmaschine Universal Impact 800 besteht zu 78 Prozent aus recyceltem Gehäusematerial, also allen von außen sichtbaren Komponenten des Hauptprodukts ohne Kabel und Zubehör.  (Quelle: Bosch)

Im Garten setzt man auf Torfersatz (Compo, Neudorff), Refill-Lösungen (Hauert-Manna), Langlebigkeit (Fiskars, Juwel) und Wassersparen (Garantia, Osram, Otto Graf), im Haushalt auf pflanzenbasierte Reiniger (Bona, Kärcher), beim Gestalten auf Farben und Lacke ohne Konservierungsmittel (Ostendorf, Biopin).

Die Forschung liefert laufend nachhaltigere Baustoffe: Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UmSichT) entwickelt Prozesse, um klimapositive Baustoffe als CO2-Senke herzustellen und Bauschutt wiederzuverwenden. Die Technologie Morphit verwandelt Bauabfälle in neue Baumaterialien. Die Ideen sind also da – woran liegt es dann, dass das Thema anscheinend in den Hintergrund gerückt ist?

Fraunhofer UmSichT forscht unter anderem an nachhaltigen Prozessen und klimapositiven Materialien für die Bauindustrie. 
Fraunhofer UmSichT forscht unter anderem an nachhaltigen Prozessen und klimapositiven Materialien für die Bauindustrie.  (Quelle: Fraunhofer UmSichT)

Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle ist die Akzeptanz für den Klimaschutz in der Bevölkerung gesunken. Besonders betroffen sind demnach Maßnahmen im Gebäudebestand, hier sehen nur 15,4 Prozent der Befragten Einsparpotenzial. Ähnliches meldet auch das Umweltbundesamt: In einer Umfrage stuften 54 Prozent der Befragten den Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtiges Thema ein. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen: 2022 schätzten ihn noch 57 Prozent, 2020 sogar 65 Prozent als sehr wichtig ein.

Vielleicht liegt es am Preis. Das legt jedenfalls eine Untersuchung von Ernst and Young Parthenon nahe: Die meisten Menschen sind demnach bereit, sich nachhaltig zu verhalten, doch bei der Preisbereitschaft komme das Nachhaltigkeitsgewissen oft noch ins Wanken.

Es gibt aber auch Studien, die eine höhere Preisbereitschaft nahelegen – so berichtet etwa die zu den Volksbanken gehörende Teambank im Rahmen einer Studie, 43 Prozent der befragten Deutschen seien trotz anhaltender Preissteigerungen grundsätzlich bereit, für ökologisch-soziale Produkte mehr Geld auszugeben. Davon könne unter anderem profitieren, wer CO₂-neutrale Produkte anbiete – 44 Prozent planen, beim Einkaufen künftig verstärkt darauf zu achten. Außerdem hätten sich 36 Prozent vorgenommen, für ihr Haus oder ihre Wohnung eine Photovoltaikanlage anzuschaffen oder diese zu erweitern.

Es scheint also Potenzial da zu sein, insbesondere im Segment Bauen und Renovieren. Die Zahl der Baugenehmigungen steigt aktuell stetig, auch wenn die Fertigstellungen – zumindest für das Jahr 2024 – zurückgingen.

„Im September 2025 legten die Bauaufträge im Bauhauptgewerbe um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu“, berichtet Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, und ergänzt: „Die Nachfrage scheint endlich wieder etwas Tritt zu fassen, Bauinvestitionen werden insgesamt mehr angeschoben. Im Wohnungsbau gab es in den vergangenen Monaten mehr Bewegung.“

Viel Hoffnung wird in die Sanierungspläne der Bundesbürger gesetzt: Laut einer Umfrage im Auftrag von Immoscout24 planen 47 Prozent der deutschen Eigentümerinnen und Eigentümer in den kommenden zwei Jahren eine Sanierung ihrer Immobilie. Im Rahmen einer Untersuchung im Auftrag von Toom gab jede oder jeder Vierte an, in den kommenden Jahren in energetische Maßnahmen investieren zu wollen. An der Spitze steht der Heizungstausch (52 Prozent), gefolgt vom Einbau einer Photovoltaik-Anlage (50 Prozent). Auch Wärmedämmungsmaßnahmen (37 Prozent), Fensteraustausch (29 Prozent) und Smart-Home-Lösungen (16 Prozent) stehen auf der Agenda. Bislang fehle es jedoch an Wissen und praxistauglicher Begleitung, so das Fazit.

Auch auf der Eurobaustoff-Herbsttagung der Fachgruppe Putze/WDVS im vergangenen Jahr war Sanierung ein Thema: Rund 16 Millionen sanierungsbedürftige Gebäude prägten nach wie vor den deutschen Gebäudebestand, berichtete die Kooperation. Die energetische Sanierungsquote liege weiterhin unter 1 Prozent, während gleichzeitig das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2045 unverändert gelte.

Und nicht zuletzt hat auch der Bau-Turbo, der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzesentwurf zur Beschleunigung des Wohnungsbaus, Hoffnungen in der Branche geweckt, die stockende Bauwirtschaft wieder anzukurbeln und in der Folge auch den Baumärkten steigende Umsätze zu bescheren.

Was aber macht das Bauen der Zukunft aus? Worauf kommt es an, damit der Bau-Turbo auch wirklich zündet? Die gute Nachricht: Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist ungebrochen. Im Rahmen der Interhyp-Wohntraumstudie 2025 stand das freistehende Einfamilienhaus mit 54 Prozent (-2 Prozent im Vergleich zu 2024) an der Spitze der Wohnwünsche, ebenso gewinnen die Doppelhaushälfte (+3 Prozent) oder Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+5 Prozent) an Bedeutung.

Mehr als ein Viertel der Befragten sagen aber gleichzeitig, nicht daran zu glauben, eine passende Wohnung zu finden. 63 Prozent davon geben an, der Markt sei schwierig. 60 Prozent können sich finanziell keine andere Immobilie leisten. 55 Prozent bewerten den Wohnraum in Deutschland insgesamt als zu knapp.

Um günstigeren Wohnraum zu schaffen, ist derzeit unter anderem der Gebäudetyp E im Gespräch, mit dem einfachere Baustandards im Wohnungsbau etabliert werden sollen. Der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, begrüßt diesen Vorstoß: „Kostentreibende Maßnahmen, die keine Sicherheitsanforderungen adressieren, werden dann ohne Haftungsrisiken eingespart.“

Eine weitere Möglichkeit ist das Bauen im Bestand – und zwar mit Holz. Das sei nicht nur leicht, sondern habe auch hervorragende Dämmeigenschaften und lasse sich einfach zu größeren Bauteilen vorfertigen, unterstreicht Fachbereichsleiter Holzbauplanung bei der Gesellschaft Assmann Beraten + Planen, Henning Klattenhoff. „Außerdem ist es ein nachwachsender Baustoff. Hinzu kommt: Mit Holz ist es einfacher, ein Gebäude in späteren Jahren zum Beispiel zurückzubauen und das Material wieder neu zu verwenden.“ Das senke – langfristig betrachtet – auch die Kosten für den Holzbau, der ohnehin nicht pauschal teurer sei als konventionelles Bauen mit Stein oder Beton.

Recycling ist aber auch mit anderen Baustoffen möglich und wird bereits zu einem großen Teil umgesetzt. Laut dem Monitoring-Bericht der Initiative „Kreislaufwirtschaft Bau“ sind im Jahr 2022 rund 207,9 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle angefallen, davon konnten 90,4 Prozent verwertet werden.

Die Ergebnisse unterscheiden sich stark zwischen den einzelnen Stoffgruppen: Während beim Straßenaufbruch 93 Prozent und beim Bauschutt 81,7 Prozent recycelt wurden, bleibe die Verwertung bei Baustellenabfällen mit nur 2 Prozent Recycling sowie bei Bauabfällen auf Gipsbasis (0 Prozent) eine Herausforderung. Von allen erfassten mineralischen Bauabfällen wurden 75,3 Millionen Tonnen zu Recycling-Baustoffen aufbereitet. Damit deckten diese 13,3 Prozent des Bedarfs an Gesteinskörnungen in Deutschland.

Die Zeiten ändern sich, ebenso die Familien- und Zukunftsplanung. Das beeinflusst auch die Art zu wohnen. Das Zuhause der Zukunft ist modular, barrierefrei und voller Zusammenhalt, ist man bei Living Haus überzeugt. 
Die Zeiten ändern sich, ebenso die Familien- und Zukunftsplanung. Das beeinflusst auch die Art zu wohnen. Das Zuhause der Zukunft ist modular, barrierefrei und voller Zusammenhalt, ist man bei Living Haus überzeugt.  (Quelle: Living Haus)

Zu beachten ist aber auch der demografische Wandel. Er zeige sich nicht nur in der Altersstruktur der Gesellschaft, sondern insbesondere auch darin, wie diese unterschiedlichen Generationen miteinander leben und wohnen, weiß man beim Ausbauhausspezialisten Living Haus. Alterung, Wohnungsmangel und das soziale Miteinander seien Herausforderungen, die just in der Pandemie deutlicher denn je wurden.

Obwohl es viele Personen bevorzugen, alleine zu leben, seien Mehrgenerationen-Konzepte gerne gesehen, zeigt eine Umfrage von Immo-Scout24. „Das bedeutet, dass ein Zuhause mitwachsen soll mit den Menschen, die darin wohnen: Raum für Großeltern, Eltern, Kinder und alle Beziehungen dazwischen. Gleichzeitig braucht es stets eigene, abgetrennte Räume zur Wahrung der Privatsphäre. Ein zentraler Baustein fürs Mehrgenerationenwohnen: barrierefreies Bauen.“

Ob energetische Sanierung, Wiederverwendung, die Entwicklung neuer Baumaterialien und Konzepte, die den Bedürfnissen aller Generationen Rechnung tragen – das Potenzial im Bereich Bauen und Renovieren ist da. Und die Hersteller der Branche sind mit ihren Lösungen auf einem guten Weg. Nun gilt es noch, sie auch an den (End-)Kunden zu bringen.

Laura Rinn

Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 3/2026.

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