Mit einem ambitionierten Leitthema hat die Fachmesse DIY, Pro & Garden in Kortrijk ihren Anspruch unterstrichen, mehr zu sein als eine nur für Belgien oder den Benelux-Raum bedeutende Regionalveranstaltung zu sein: Wie soll die Branche mit der technologischen Transformation, mit Retail-Technologien und mit Daten umgehen?
Damit beschäftigte sich das Vortrags- und Seminarprogramm der zweitägigen Veranstaltung Ende Januar, das mit Blick auf die internationalen Besucher auf Englisch abgehalten wurde. Immerhin gab es auch unter den 145 Ausstellern internationale Marken und ausländische Unternehmen. Für Italien war ein eigener Länderpavillon eingerichtet.
Im Rahmen der Messe wurde erstmals exklusiv eine Studie von Nielsen IQ vorgestellt, die der Frage nachging, wie sich die belgische Branche zum Einsatz und vor allem zum Austausch von Daten zwischen Händlern und Herstellern stellt. Die Marktforscher Kristof Scheys und Freyia Han hielten fest, dass Händler und Lieferanten zwar durchaus die Vorteile sehen, die ein Austausch von Daten über das Kundenverhalten beiden Seiten bringt. Allerdings werden von beiden Seiten auch einige Hürden vorgebracht; beispielsweise ist man sich nicht durchgängig über den Nutzen im Verhältnis zur Investition einig. Die Studie wurde von den drei führenden belgischen Baumarktgruppen Brico (Maxeda DIY Group), Hubo und Gamma unterstützt.
Zu diesem Thema schloss sich eine prominent besetzte Podiumsdiskussion mit dem belgischen Branchenspezialisten Thierry Coeman als Moderator an, der für das Vortragsprogramm verantwortlich war und die Fragestellung so zuspitzte: Sollten nur die Händler über Daten aus dem Markt verfügen dürfen, oder stellt es nicht geradezu ein Risiko dar, wenn diese Daten nicht gemeinsam genutzt werden? Darüber diskutierten der Brico-Chef Patrick Vandenbogaerde, der Hubo-Inhaber Erwin Van Osta, Gamma-Chef Dominique Motte, Alexandre Laubie, früher Leroy Merlin, jetzt Global DIY Summit, sowie auf der Herstellerseite Dirk Baum, CEO von Eltra und Präsident des Herstellerverbands Hima Benelux.


Transparenz auf beiden Seiten?
Das Diskussionsthema erwies sich als ein wichtiger Aspekt der Frage, wie weit die Partnerschaft von Industrie und Handel geht. So bestand Erwin Van Osta unmissverständlich darauf: Daten, die zu operativen Verbesserungen etwa in der Logistik führen, sollten Händler mit ihren Lieferanten teilen – und sie tun es bereits –, nicht jedoch Daten zum Kundenverhalten und Kassendaten – der Hubo-Chef sieht sie, ähnlich wie die Mitdiskutanten aus dem Handel, als strategisch relevant im Wettbewerb an. Umgekehrt mahnten die Händler Transparenz auf Seiten der Hersteller über deren Produktionsbedingungen an.
Unter verschiedenen Aspekten beschäftigten sich außerdem Björn Thys von Proximus NXT, Thierry Maubax von AI Compass und Jeroen Lauwers von Delihome mit technologischen Lösungen im Handel. Der Universitätsdozent Pieterjan Bonne steuerte einen weiteren Aspekt bei: Wie lässt sich Menschlichkeit mit der technologischen Beschleunigung versöhnen?
Bei so viel Technologie durfte ein echter Roboter nicht fehlen: Das von Deduco entwickelte Gerät mit Namen Bobby – Geschäftsführer Tom Dujardin hat es ebenfalls in einem der Vorträge zusammen mit Martijn von der Sluijs von Bolton Adhesives vorstellt – begrüßte die Besucherinnen und Besucher bereits am Eingang zur Messe.

Der belgische Markt
Die Baumärkte in Belgien haben das Jahr 2025 mit einem Umsatzminus abgeschlossen. Sie haben im vergangenen Jahr 1,2 Prozent weniger umgesetzt als 2024. Dagegen haben die belgischen Gartencenter ihren Umsatz um 3,8 Prozent gesteigert. Diese Zahlen hat Kristof Scheys von Nielsen IQ (GfK) auf der DIY, Pro & Garden genannt.
Das DIY & Garden Panel, in dem die Marktforscher 78 Warengruppen aus dem Bereich Home and Living verfolgen, hat in Belgien um 3,2 Prozent nachgegeben. Verantwortlich dafür sei der Vertriebskanal der großflächigen Baumärkte, erläuterte Scheys. In den anderen Großvertriebsformen hat sich das Geschäft mit diesen Produkten positiv entwickelt.












