Will man die Designs auf der diesjährigen Heimtextil-Messe in Frankfurt zusammenfassen, eignen sich die Begriffe elegant und haptisch besonders gut: gedeckte Farben sowie Metallic-Töne in floralen, ornamentalen und grafischen Mustern wurden gemischt mit Glitzer, Glanz- und 3D-Effekten, die eine besondere Struktur aufwiesen. Diese Trends finden sich bei Tapeten ebenso wie bei Teppichen und weiteren Heimtextilien. Komplettiert wurde das Angebot durch zahlreiche technische Lösungen, die besonders anwenderfreundlich sind oder einen bestimmten Nutzen haben.
Das spiegeln auch die Tapeten des Jahres wider, die erneut vom Verband der deutschen Tapetenindustrie (VDT) im Rahmen der Messe ausgezeichnet wurden. Es sei ein wahnsinniger Mix, berichtet Nora Niemeier aus dem VDT-Marketing. Man könne damit die ganze Bandbreite zeigen, die Tapete zu bieten hat. Den dritten Platz belegt ein technisches Flies von Leco, das Unebenheiten auf der Wand überdeckt. Das Unternehmen hat sich auf überstreichbare Produkte spezialisiert. Auf dem zweiten Platz steht etwas „ganz anderes“, wie Niemeier betont, eine in Handarbeit gefertigte Design-Tapete der Welter Manufaktur. Der diesjährige Sieger des Wettbewerbs bringt Technik und Design zusammen: eine selbstklebende Tapete mit exotischem Leopardenmotiv, die aus einer Kooperation von Rasch und Tesa entstanden ist.

„Wir wollen mit der Auszeichnung zur Tapete des Jahres zeigen, wie innovativ die deutschen Hersteller sind“, erklärt Ulrike Reich vom VDT. Gleichzeitig werde sie insbesondere vom B2B-Publikum honoriert, da sie den Produkten eine gewisse Wertigkeit gebe, weiß VDT-Geschäftsführer Karsten Brandt. „Die Unternehmen freuen sich, wenn eine Richtung vorgegeben wird.“ Aus diesem Grund veröffentlicht der Verband im Nachgang der Messe seine Trendeinschätzung für die anstehende Saison – um Orientierung zu bieten.
Und natürlich dient der Wettbewerb auch dazu, für das Produkt Tapete zu werben. Das ist aktuell auch nötig. „Der gesamten Inneneinrichtungsbranche geht es nicht gut, sie leidet unter der allgemeinen Konsumzurückhaltung“, berichtet Brandt, betont aber auch, dass das Produkt gerade in Zeiten, in denen es an bezahlbarem Wohnraum mangele, die Chance für einen Tapetenwechsel böte. „Mit keinem anderen Produkt schafft man es so günstig so eine große Veränderung zu erzielen“, ist Reich überzeugt. Statt nach einer neuen Wohnung zu suchen, könne man es erst einmal mit einer neuen Wandgestaltung probieren. „Die Tapetenbranche versucht wirklich, es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen – mit Tapeten zum Kleben, mit Musterversand oder Digitalisierungstools“, findet Niemeier.
Auch bei den Teppichanbietern werden digitale Tools eingesetzt, um Kunden zu unterstützen. Golze etwa setzt einen digitalen Berater ein, „um Kunden nicht am Regal allein zu lassen“, erklärt CEO Florian Müller. Neu ist außerdem der Messenger-Dienst Whatsapp als Kommunikationskanal. „Der direkte Kontakt ist toll“, so das Fazit des Geschäftsführers. Er zeige, was den Kunden bewegt. Und was bewegt ihn? „Es geht immer wieder zurück zum Standard. Der Deutsche kauft Beige, Creme und Grau“, erläutert er, fügt aber hinzu: „Trotzdem braucht man Farbe.“ Die Muster sind organisch, man sieht viele Hoch-Tiefstrukturen, geometrische Formen – auch beim Teppich selbst. Außerdem sind eingewebte und Vintage-Muster beliebt.

Bei der Lalee OHG aus Düren finden sich ähnliche Optiken: der Trend Richtung Beige-, Taupe- und Erdtönen hält weiterhin an, die Farbgebungen werden nun geprägt durch sehr helle Beige und Cremetöne, teilt Armin Laqua mit. Am Stand sieht man auch moderne, grafische Muster, Wellen und Ringe. Produkte mit Fellhaptik seien weiterhin ein starkes Segment, weiß er, weshalb man sie bei Lalee bei Teppichen, Decken, Kissen und Badteppichen findet – auch hier mit grafischen und Linienmustern im Hoch-Tief-Design (mehr dazu im Industrieteil dieser Ausgabe).

Besonders hebt Laqua die neue Kollektion Batucci hervor: „Mit der neuen Teppichkollektion Batucci haben wir genau den Nerv unserer Kunden getroffen“, erklärt der Verkaufsleiter. „Die Kollektion vereint Teppiche im Mittel- bis Hochpreissegment aus hochwertigen Materialien wie Modal, Viskose und Acryl mit modernen Polyester-Teppichen. Diese Kombination kommt hervorragend an – seit der Einführung im Herbst 2025 verzeichnen wir eine außerordentlich positive Resonanz und eine sehr hohe Nachfrage.“
Vintage-Muster prägen wiederum auch die Tapetendesigns – wenig verwunderlich, findet Anna Dietz von der Hohenberger Manufaktur, denn so seien Tapeten entstanden: Teppiche und Stoffe als Dekoration und zur Isolierung an den Wänden. Dementsprechend finden sich in der Tapeten-Kollektion Arazzo Teppichstrukturen wie Ornamente, Blattmuster oder Florales. „Wir wollen Historisches modern machen“, beschreibt sie die Kollektion, die in gedeckten Farben daherkommt und – wie alle Produkte des Anbieters – wohngesund, atmungsaktiv und vinylfrei sind. Sie sei allerdings nicht für den Vertrieb über den Baumarkt geeignet, merkt Dietz an.
Generell tue sich Tapete im Baumarkt schwer, ergänzt Geschäftsführer Ralf Taubert. „Die Tapete ist ein Lifestyle-Produkt, Baumärkte haben eher einen Renovierungsschwerpunkt“. Außerdem sei sie sehr beratungsintensiv und das könne man im DIY-Handel nicht bieten. „Industrie und Handel machen sich selbst kaputt“, kritisiert er. „Man verkleinert die Tapetenabteilung und überlässt sie sich selbst, sollte aber stattdessen genau dort investieren und mehr Beratung anbieten.“ Das gelte auch für den Fachhandel: „Typische Tapetenhändler mit Beratungsfokus sterben immer mehr aus.“ Hinzu komme die Kannibalisierung durch den Onlinehandel – indem man Tapeten im Netz zu niedrigeren Preisen anbiete als am stationären POS, so Taubert weiter. Ein weiterer Kritikpunkt: „Die Branche macht Werbung für Menschen, die sich ohnehin für Tapete interessieren.“ Stattdessen sei es wichtig, neue Kunden für das Produkt zu begeistern.
Ähnlich fällt auch Tauberts Messefazit aus. Er wünsche sich eine internationale Messe, die „die Attraktivität von Tapete wieder herstellt und weltweit hochwertige Akteure nach Frankfurt bekommt“. Das sieht er aktuell nicht gegeben. Es gebe wenig Zulauf und kaum ansprechende Stände. Zudem solle man sich mit den Pariser Tapeten-Messen absprechen, findet er. Die Maison & Objet fand zeitgleich in der französischen Hauptstadt statt.
Eine positive Rückmeldung gab es derweil von Dr. Frederik Rasch. Die Reduktion der Fläche sei gelungen und eine runde Sache. „Wir fühlen uns als Gruppe wohl hier“, betont der Geschäftsführer der gleichnamigen Tapetenmarke, die sich mit Schwesterunternehmen unter dem Dach von The Wallfashion House an einem Gemeinschaftsstand präsentierte. „Rasch hat sich vor zwei Jahren entschieden, der Konsolidierung in der Branche aktiv zu begegnen“, erklärt der Geschäftsführer. Kooperation habe sich in dieser für die Branche sehr herausfordernden Zeit bewährt, hält er fest. Rasch stellte vor allem die selbstklebende Tapete in den Fokus seines Messeauftritts. Die Rückmeldungen zu dieser Lösung seien bislang sehr positiv, berichtet der Firmenchef. Sie erfülle den Bedarf nach einer schnellen, sauberen, einfachen Dekoration, ist er überzeugt.

Um Kunden das Handling zu erleichtern, hat man sich auch bei A.S. Création Gedanken gemacht: Entstanden sind die sogenannten Panels – ein Design, eine Rolle: Es wird ein komplettes Tapetenmotiv auf einer einzigen Rolle geliefert. So ließen sich moderne Akzentwände schnell und einfach gestalten, betont Andrea Schröder aus dem Marketing.
Die Bandbreite der möglichen Bilder ist groß – und auch hier hilft eine digitale Lösung bei der Auswahl: Alle Tapetenkollektionen von A.S. lassen sich per QR-Code in 3D am Bildschirm visualisieren.
Stichwort Panel – das Trendthema Wandpaneele hat auch im Tapetendesign Einzug gehalten.
Mit der neuen Kampagnenkollektion Metropolitan Stories „Vibes & Styles“ steht Wohnen als Gefühl im Mittelpunkt. Inspiriert von Natur, Architektur sowie Licht und Schatten entstehen Designs, die sich harmonisch in den Raum einfügen und eine stilvolle Atmosphäre schaffen wollen.
Die Marburger Tapetenfabrik bringt mit ihrer neuen Kollektion Craft von Designer Felix Diener – ebenso wie Rasch und doch ganz anders – Design mit Technik zusammen. Das sieht man etwa bei einem Dessin mit Korkanteilen: Was in einer portugiesischen Manufaktur bei der Herstellung von Champagnerkorken übrigbleibt, erhält eine neue Bestimmung. Auf eine feine Lehmschicht, die auf einem Vliesträger ruht, wird reines Korkgranulat aufgetragen. Die Kombination aus mineralischem Träger und natürlichem Granulat sei farbstabil, raumklimaregulierend, akustisch wirksam und angenehm in der Haptik, unterstreicht Diener.
Wo sich Tapetenhersteller präsentieren, ist auch Decotric nicht weit. Aus gutem Grund: Der Hersteller bietet alles, was man fürs Tapezieren benötigt – und noch viel mehr. In diesem Jahr waren etwa die Produkte der Marke SchimmelX (mehr dazu im Schwerpunkt dieser Ausgabe) und der Fliesen-Renovierspachtel zu sehen, mit dem sich schnell und einfach eine glatte Wand herstellen lässt. Verkaufsleiter André Schürmann zieht ein „hervorragendes Messefazit“. Die DIY-Sparte Decotric bediene, ebenso wie die Profimarke Pufas, Do It Yourselfer und Handwerker weltweit. Insbesondere die internationalen Kunden nutzten diesen Termin, um mit ihnen in Kontakt zu treten.

Zufrieden ist man auch bei Apelt. Der Heimtextilien-Spezialist bietet im Baumarkt Produkte für den Outdoor-Bereich, Saisonales und Basic-Stoffe an, darunter etwa Tischdecken, Vorhänge, Kissenbezüge und Decken.
Laura Rinn
Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 3/2026.












