Mit 22,2 Prozent geben die Deutschen von allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union den geringsten Anteil ihres Konsums im Einzelhandel aus. EU-weit fließen durchschnittlich 31,9 Prozent des privaten Konsums in den Einzelhandel statt in Dienstleistungen, Freizeit oder andere Ausgabenkategorien. Doch auch auf europäischer Ebene setzt sich der Abwärtstrend das vierte Jahr in Folge fort. Das zeigt die neue Studie von NIQ-Geomarketing.
Trotz steigender Kaufkraft und wachsender Einzelhandelsumsätze verliert der Einzelhandel demnach innerhalb der privaten Konsumausgaben europaweit weiter an Bedeutung. Im Jahr 2025 entfielen nur noch 31,9 Prozent des gesamten privaten Konsums auf den Einzelhandel. Kundinnen und Kunden in ost- und südosteuropäischen Ländern verwenden jedoch einen deutlich größeren Anteil ihrer Konsumausgaben für den Einzelhandel.


Unter den 27 EU-Mitgliedstaaten weist Kroatien mit 48,3 Prozent den höchsten Einzelhandelsanteil auf, gefolgt von Litauen mit 45,7 Prozent, Bulgarien mit 44 Prozent und Ungarn mit 43,2 Prozent. Deutschland bildet mit 22,2 Prozent das Schlusslicht. Dort fließt, wie auch in anderen einkommensstärkeren westeuropäischen Ländern, ein großer Teil der Konsumausgaben in Dienstleistungen und andere nicht-einzelhandelsbezogene Ausgaben.
„Der Einzelhandelsumsatz wächst, doch ein zunehmender Anteil der Verbraucherbudgets fließt in Dienstleistungen und Freizeit. Dies deutet auf einen strukturellen Wandel der Konsumprioritäten in Europa hin“, erklärt Studienleiter Philipp Willroth und fügt an: „Eine steigende Kaufkraft führt nicht mehr automatisch zu höheren Ausgaben im Einzelhandel.“
Weitere Ergebnisse
Im Jahr 2025 stieg die Kaufkraft in der EU weiter an. Die durchschnittliche Kaufkraft pro Einwohner erreichte 22.425 Euro und lag damit nominal um 3,3 Prozent über dem revidierten Wert von 2024. Insgesamt standen den Einwohnern der Mitgliedstaaten rund 10,1 Bio. Euro zur Verfügung. Die stärksten Zuwächse gab es in Polen (8,8 Prozent), Litauen (8,3 Prozent), Rumänien (7,7 Prozent) und Bulgarien (7,3 Prozent). Die Zuwächse in Süd- und Osteuropa zeigten, dass sich die Einkommensunterschiede innerhalb Europas weiter verringern, so NIQ.
Nach den starken Preissteigerungen in den Jahren nach der Energiekrise von 2022 stabilisierte sich die Inflation in der EU und lag 2025 durchschnittlich bei 2,5 Prozent. Die höchste Inflationsrate wurde in Rumänien (6,8 Prozent) verzeichnet, gefolgt von Estland (4,8 Prozent), Ungarn (4,4 Prozent), Kroatien (4,4 Prozent) und der Slowakei (4,2 Prozent). Gründe dafür sehen die Marktforscher vor allem im Lohnwachstum sowie dem Arbeitsmarktdruck in Teilen Osteuropas. Frankreich hingegen hatte mit 0,9 Prozent eine der niedrigsten Inflationsraten Europas, begünstigt durch eine schwächere Binnennachfrage und einen günstigen Energiemix.















