Sie kennen das: Man sitzt in einem Vortrag, der ist relevant und auch interessant gemacht, es geht um gute und bessere Lösungen für dieses oder jenes Problem, und da kommt auch schon der nächste Referent, und sein Thema ist auch interessant und relevant. Danach Kaffeepause.
Sie kennen aber auch das: Man sitzt in einem Vortrag und spürt geradezu körperlich, wie die Aufmerksamkeit aller Zuhörerinnen und Zuhörer im Raum nach dem ersten Satz auf ihr Maximum hochschnellt. Weil das Thema nicht nur relevant ist, weil es nicht um gut oder besser geht. Sondern um ja oder nein – bestehen oder nicht bestehen können.
So ist es beim Retail Summit 2026 von Bonial Ende März in Berlin gewesen. Diese – relevante und interessante – Veranstaltung kümmert sich normalerweise um Marketing im Einzelhandel. Aber das Thema von Joshua Roach, Head of Sovereign Communication Schwarz Digits, ging darüber hinaus und hat es sehr schnell sehr still werden lassen im Raum: „Digitale Souveränität – warum?“
Darum: „Jeden Tag eröffnen wir zwei neue Filialen weltweit, und Microsoft hätte uns theoretisch das Licht ausknipsen können“, wie BBE-Geschäftsführer Johannes Berentzen die Position des Händlers in seinem Linkedin-Post zusammengefasst hat. Denn dass die US-amerikanischen Tech-Riesen die Macht haben, Lichter auszuknipsen, und das auch tun, wenn sie von den Machthabern ihres Landes dazu aufgefordert werden, haben sie auf großer internationaler Bühne vor einem Jahr bewiesen: Dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, hat Microsoft den E-Mail-Account gesperrt.
Daraufhin hat er Besuch aus Heilbronn bekommen: von Joshua Roach.
Denn die Schwarz-Gruppe ist stark in diesem Thema. Der größter Einzelhändler (Lidl, Kaufland) in Europa und drittgrößter Arbeitgeber Deutschlands beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahren mit der digitalen Souveränität, hat eine 8.000 Mann und Frau starke IT-Truppe, war der größte Microsoft-Kunde in Europa – und hat vor zwei Jahren alle Verträge gekündigt. „Auch als größter Kunde konnten wir da nicht viel verhandeln“, beschrieb Roach die Usancen, die sich Monopolisten erlauben.
Man habe sich also gefragt: „Wie verlässlich sind die Partner noch, wie fair verhalten sie sich bei Verhandlungen?“, und kam zu eindeutigen Antworten: Nicht verlässlich und nicht fair und mit dem Risiko, dass Kosten diktiert und Preise nicht mehr souverän vom Händler festgelegt werden können.
Die Konsequenz für die Heilbronner: Während in Europa 82 Prozent der im Handel…











