Mit einem eindringlichen, gleich mehrfach geäußerten Appell zur Unterstützung der Spoga+Gafa hat Jochen Ludwig, Chief Commercial Officer von Obi und Mitglied des BHB-Vorstands, wie schon im vergangenen Jahr den BHB Garden-Summit in Köln eröffnet. „Ich kann nur noch einmal an unsere Branche appellieren“ – vor einem Jahr hatte sich Ludwig an gleicher Stelle schon einmal mit diesem Anliegen an die Branche gewandt –, „dass wir alle dazu beitragen sollen. Wenn wir so weitermachen, wird es die Messe nicht mehr geben.“ Es seien wieder weniger Aussteller auf der Spoga+Gafa, sagte Ludwig. Beim Blick auf die anwesenden Aussteller wiederum ergebe sich ein gemischtes Bild: „viele interessante Auftritte von Lieferanten, aber auch Mittelmaß“ – und Mittelmaß sei letztlich der Feind des wirklich Guten, so Ludwig weiter.

Aber er appellierte auch ausdrücklich an die Verbände, die Messe zu unterstützen, und an den Handel, die Messe als Austausch- und Informationsplattform zu nutzen. Es müsse klar sein, „dass wir die Messe nicht sterben lassen.“
Der von BHB-Geschäftsführer Peter Wüst moderierte BHB Garden-Summit selbst war dagegen besser besucht als vor einem Jahr. 120 Verantwortliche aus der Gartenbranche haben sich am Nachmittag des zweiten Messetags mit aktuellen Themen aus der Branche beschäftigt. Der Termin am zweiten Messetag war ein Novum, bisher hatte die Veranstaltung zum Abschluss der Spoga+Gafa am dritten Tag stattgefunden.
Was sich durch viele Beiträge zog, war die von Jochen Ludwig geäußerte Einschätzung: „Für die ganze Branche war es ein komisches Jahr“, und er meinte damit die überall spürbare Volatilität und sehr unterschiedliche Entwicklung einzelner Warengruppen: Grill „extrem explodiert“, Dünger zurückgehend, Pflanze stabil. Ludwig machte aber auch „ein großes Kompliment an die Lieferanten: Viele von Ihnen haben es verstanden, mehr Preispunkte im niedrigen Mittelpreissegment zu setzen“.
Den ersten Vortrag im Kongressprogramm bestritt Katrin Beyer, Vice President Division Garden bei Obi. Sie stellte die Strategie vor, wie die Obi-Märkte künftig das wichtige grüne Segment vertrieblich vorantreiben wollen. Garten sei weit mehr als nur ein Saisongeschäft – sondern einer der stärksten strategischen Anker, weil hier nicht Einmalkäufe stattfinden, sondern man die Chance habe, die Kunden über das ganze Jahr zu begleiten. Obi verkauft mehr als 46 Mio. Pflanzen im Jahr in Deutschland. Dabei wird die Eigenmarke „Grow by Obi“ immer wichtiger. Mit einer starken Beteiligung an Initiativen wie Torfausstieg oder dem Verwertungskonzept „Too Good to Go“ setzt Obi außerdem nachhaltige Konzepte um.
Das Thema der aktuell spürbaren Volatilität im Gartenmarkt griffen Christiane Klietz und Alexander Theile von GfK/NiQ in ihrem Vortrag mit dem bezeichnenden Titel „Zwischen Boom und Bremse“ auf. Das Gartensegment verzeichnet ihren Zahlen zufolge in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ein Minus von 1,7 Prozent mit einem Umsatz von 1,79 Mrd. Euro. Davon machen die Baumarkt-Gartencenter 55 Prozent Umsatzvolumen aus, verlieren allerdings 3,2 Prozent Marktanteil zugunsten von Verbrauchermärkten und Onlinern.

Dass Markenprodukte umsatztechnisch um 2,1 Prozent, mengenmäßig sogar um 8,4 Prozent sinken, zeige, dass auch der für den Handel bislang immer „sichere Ort“ Garten mittlerweile immer preissensibler wird. Allerdings gibt es auch echte Zuwächse: Mähroboter (18 Prozent) oder Gasgrills (10 Prozent) stehen in der Kundengunst vorn. Auch Stauraumlösungen lieferten derzeit positive Impulse.
Klar sei aber in jedem Fall: Was gerade passiere sei nur ein kurzfristiger Marktabschwung mit gleichzeitiger Markttransformation. Umso bedeutender würden daher neue Geschäftsmodelle für Händler und Hersteller gleichermaßen.
Hans-Jürgen Herr, der lange Jahre an der Spitze von Weber-Stephen in Deutschland und Europa stand, brachte den Zuhörern das Managementkonzept des Pit Stop nahe. „Bevor der Markt Sie überholt“, müsse man – auch wenn die Umsätze möglicherweise gerade steigen – Frühindikatoren beachten oder sich mit einer sogenannten Pre-Mortem-Annahme beschäftigen. „Erfolg betäubt, Erosion geschieht lautlos“, gab er zu bedenken. Ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir sind im Jahr 2032 „und wir haben verloren: Was haben wir falsch gemacht?“ Für Herr jedenfalls ist bei den rasanten Veränderungen klar: „Morgen ist alles anders.“
Wegen der kurzfristigen Absage einer Referentin hatte Peter Wüst relativ spontan eine Gesprächsrunde mit vier Journalistinnen und Journalisten aus der Gartenbranche eingeladen. Grit Landwehr (Dega Grüner Markt), Rainer Strnad (diy-Fachmagazin), Markus Howest (Baumarktmanager) und Oliver Mathys (OM Consulting) tauschten sich über Innovationsgeschwindigkeit, Mut zu neuen Produkten, Unternehmenskulturen, deutsche Übervorsichtsmentalität oder geschärften Branchenprofile aus.
Wie entscheidend Qualifizierung der Mitarbeiter für einen erfolgreichen Handel ist, darüber sprach Prof. Thomas Vogler vom Institut Mercator. Bei Verkäuferinnen und Verkäufern sei nicht nur die Fachkompetenz entscheidend, sondern vielmehr die Fähigkeit, eine Beziehung zum Kunden aufzubauen. Gute Lage, gute Produkte und Qualität allein reichten nicht mehr aus, um beim Kunden zu punkten, denn Beratungskompetenz sei heutzutage ein entscheidender Faktor für den Erfolg.

Welche Bedeutung Grünflächen in der Stadt und Gärten für die psychische Gesundheit und Stressresilienz haben, erfuhren die Summit-Teilnehmer in einem spannenden abschließenden Vortrag von Prof. Dr. Mazda Adli, Chefarzt der Fliedner Klinik/Charité Berlin: Stadtleben und Klimawandel lösen nachgewiesen nicht nur Stress aus, sondern sind langfristig auch Auslöser für psychische Erkrankungen. In der Stadt wirken soziale Dichte und soziale Isolation gleichermaßen – mit negativen Folgen bis hin zu früher Sterblichkeit. „Die Stadt hinterlässt ihre Spuren im Gehirn“, so der Psychiater. In einem Forschungsprojekt hat er nachgewiesen, dass da, wo viele Grünflächen vorhanden sind, die Resilienz der Menschen steigt. „Gärten sind absolut gesundheitsrelevant, sie haben einen Public-Health-Auftrag“, sagte Adli. Dementsprechend müsse man als Gesellschaft dringend aufhören, den Garten als Luxus zu betrachten und ihn stattdessen als Gesundheitsfaktor sehen.
Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 8/2026.












