Der Bauchemie-Spezialist gab im Rahmen seines Profi-Tags auch Pressevertretern eine Markteinschätzung sowie einen Ausblick auf das Jahr 2026. 
Der Bauchemie-Spezialist gab im Rahmen seines Profi-Tags auch Pressevertretern eine Markteinschätzung sowie einen Ausblick auf das Jahr 2026. 

Sopro | Langfassung

Positiv gestimmt

Sopro legt im Jahr 2026 einen Schwerpunkt auf das Sanierungsgeschäft, sowohl im DIY- als auch im Profibereich. Der Baustoffhersteller entwickelte sich in einem angespannten Marktumfeld gegen den Trend. 

„Die Musik spielt bei der Modernisierung und Renovierung“, beschrieb Sopro-Geschäftsführer Jens Schuchmann im Rahmen der diesjährigen Pressekonferenz in Wiesbaden die Schwerpunkte des Baustoffspezialisten für die kommende Saison. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Profitages statt, bei dem unter dem Motto „Mission Zukunft“ Fachwissen zu Trends, Technologien und Lösungen der Bauchemie-Branche präsentiert wurde. „Wir haben unsere Produktsysteme im Bereich Sanieren, Renovieren und Modernisieren angepasst“, erläuterte Schuchmann. Sopro sei hier traditionell sehr stark. „Wenn es hier ein Wachstum gibt, profitieren wir“, hielt er fest.

Das gilt auch für die Marke Racofix, mit der der Hersteller den DIY-Handel bedient. Aktuell läuft hier eine Kampagne mit Bauhaus, bei der eine Bad-Renovierung verlost wird. Außerdem steht für Racofix im Jahr 2026 Sortimentspflege auf dem Plan, etwa mit der Terrassenfuge Flex, bei der der Anbieter mit speziell dafür entwickelten Displays am POS auf deren Unkraut-vorbeugende Wirkung hinweist.  

Neu ist auch der Racofix Mauer- und Montagekleber: Der graue, einkomponentige und gebrauchsfertige Hybrid-Montageklebstoff auf Polymerbasis eignet sich mit seiner hohen Anfangshaftung sowie schnellen Aushärtung zur Fixierung von Beton- und Natursteinmauern.  

Racofix habe sich im vergangenen Jahr gegen den Trend – und damit sehr gut – entwickelt, berichtete Schuchmanns Geschäftsführer-Kollege Sebastian Kammerer und bezog sich damit auf Zahlen der GfK für den Bereich Fliesen und Baumaterialien. Im DIY-Segment melden die Konsumforscher hier ein Minus von 5,5 Prozent bei Fliesen und einen Rückgang um 1,6 Prozent bei Baumaterialien.  

Unter seine Marke Racofix investiert Sopro ins Sortiment, beispielsweise mit der neuen Terrassenfuge Flex, ...
Unter seine Marke Racofix investiert Sopro ins Sortiment, beispielsweise mit der neuen Terrassenfuge Flex, ... (Quelle: Sopro)
… sowie in den POS-Auftritt. Mit speziellen Werbemitteln wird etwa auf die Unkraut-vorbeugende Wirkung der Terrassenfuge hingewiesen.
… sowie in den POS-Auftritt. Mit speziellen Werbemitteln wird etwa auf die Unkraut-vorbeugende Wirkung der Terrassenfuge hingewiesen. (Quelle: Sopro)

Als einen Grund dafür nannte er die überproportionale Lagerhaltung im Handel, die nach und nach abgebaut worden sei. Aber auch die Fliese allgemein liege auf einem historisch niedrigen Stand. Das sind bei einem Unternehmen wie Sopro, das sich zu 75 Prozent auf die Fliese konzentriert, schwierige Aussichten.  

Optimistisch ist man in Wiesbaden trotzdem: „Wir sehen positive Signale“, so Schuchmann. Damit meint er das „kräftige Auftragsplus“ im Bauhauptgewerbe, die vergleichsweise stabile Entwicklung im Nichtwohnungsbau und das, wie er betont, „zarte Pflänzchen“ im Wohnungsbau. „Wir haben einen riesengroßen Bedarf an Wohnungen und der wird immer größer“, unterstrich er.  

Gleichzeitig werde Wohneigentum teurer und die Verunsicherung sei groß, merkt sein Kollege an. Ein Grund für die steigenden Kosten: Bauen werde immer komplexer. „Es gibt mehr energetische Anforderungen, mehr Technik – dadurch fehlt das Geld für Fliesen und Co.“ Von der neuen Bundesregierung hätte er sich mehr Schwung gewünscht, sehe aber bisher keine Verbesserungen fürs Handwerk und stattdessen mehr Bürokratie.  

Ein großer Dorn im Auge sind dem Unternehmen auch die Regularien auf europäischer Ebene wie die Entwaldungsverordnung EUDR, die Verpackungsverordnung, die Chemikalienverordnung REACH, die Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Gemischen CLP oder die Bauprodukteverordnung. „Ein großer Anteil der Mitarbeiter, die eigentlich Produkte entwickeln sollten, sind bei uns damit beschäftigt“, kritisierte Kammerer. Hier hält er den Schulterschluss in der Branche und ein „gemeinsames Sprachrohr“ für unabdingbar.  

Dabei unterstützen Branchenverbände wie der Fachverband Fliese und Naturstein, eine Bundesfachgruppe des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Der stellvertretende Vorsitzende Sven Blümel und Andreas Beyer von der Fliesenlegernationalmannschaft waren ebenfalls zu der Presse­veranstaltung gekommen. Auch sie sehen Herausforderungen auf die Branche zukommen, etwa durch das Thema Kreislaufwirtschaft. „Es ist auch die Frage, ob es wirklich so nachhaltig ist, wenn eine Fliese nach vierzig Jahren noch einmal wiederverwendet wird“, stellte Blümel in den Raum.  

Schuchmann hob die Fliese als per se nachhaltiges Produkt hervor: „Die Mega-Sache an der Fliese ist, dass sie super lang hält.“ Dieses Merkmal gelte es nach außen zu tragen, ist er überzeugt. „Hier ist ein gewisses Selbstbewusstsein gefragt.“  

Und auch bei Sopro selbst laufen zahlreiche Nachhaltigkeitsaktivitäten, eingebunden in die Konzernstrategie: Auf dem Fertigwarenlager entsteht voraus­sichtlich im dritten Quartal dieses Jahres eine PV-Anlage, die zwei Drittel des Energiebedarfs decken soll. Man arbeite daran, den Wasser- und Energieverbrauch zu reduzieren, lege Wert auf regionale Produktionsstätten, Materialeffizienz und Zertifizierungen und mache „extrem viel“ bei Rezyklat in den Verpackungen, betonte ­Kammerer.  Als Bauvista-Klimapartner setze man neben diesen Nachhaltigkeitsaspekten auch einen Fokus auf wohngesunde Produkte.

Ein weiteres Thema: „Frei erhältliche CO2-Zertifikate werden immer weniger, die Preise dafür steigen“, berichtete Schuchmann. Das sei eine große Herausforderung für die Zementbranche. Daher ist man in Wiesbaden sicher, dass zementreduzierte Bestandteile in ihren Produkten sie weiter beschäftigen werden. „Wir haben mehr als 100 Rezepturen angepasst mit Blick auf nachhaltige, CO2-reduzierte Bindemittel“, sagte er.  

Sopro möchte mit seinen Innovationen überzeugen, wie Fließestrich mit CO2-reduziertem Bindemittel, einer Abdichtungsbahn aus 100 Prozent Recy­cling-Material, einem neuen Reinigungssortiment oder Schwimmbadsilikon. Mit der Verschmelzung der Rasco Bitumentechnik auf Sopro erweitert das Unternehmen auch seine Kompetenz bei bituminösen Abdichtungslösungen.  

Man freue sich neben den vielen Mega-Fliesen über die Entwicklung hin zu kleineren Formaten mit Designfugen, nannte der Geschäftsführer einen weiteren Trend. Und für den Glamour-Faktor ist auch gesorgt – Glitzerfugen aus Wiesbaden sind nach wie vor beliebt.     

Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 5/2026.

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