Will man die Rückmeldungen zur diesjährigen Internationalen Eisenwarenmesse zusammenfassen, eignen sich diese drei Worte: Qualität vor Quantität. In allen Gesprächen, die die diy-Redaktion mit den Ausstellern führte, gab es ein durchweg positives Fazit. „Gerade im Zeitalter von Teams freuen sich viele auf den persönlichen Austausch“, berichtet Ute Schoone von Bostik. „Eine Aufbruchstimmung ist spürbar“, findet auch Dennis Hüsken von Conmetall Meister. „Die Kunden sind offen für Neues.“
Auch die Entscheidung zur neuen Tagesfolge – die Messe fand in diesem Jahr von Dienstag bis Freitag statt und umging somit den Messetag am Wochenende – wurde bei den teilnehmenden Unternehmen und Unternehmern gelobt. BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst unterstreicht: „Die Eisenwarenmesse verändert sich und das ist gut so! Die neue Tagesfolge berücksichtigt Bedürfnisse der Aussteller und Besucher und macht das Wochenende zum geschützten Raum.“ Und auch die Veranstalter selbst sind zufrieden mit den Zahlen: Rund 33.000 Fachbesuchende aus 125 Ländern und rund 2.500 Aussteller aus 53 Nationen kamen vom 3. bis 6. März nach Köln.
Gleichwohl bedeutet „Qualität vor Quantität“ aber auch: Weniger Besucherinnen und Besucher und weniger Aussteller. In diesem Jahr seien beispielsweise einige Hersteller von Handwerkzeugen nicht dabei, bemerkte ein ausstellendes Unternehmen. Dafür kehrte eine große Marke wieder in die Messehallen zurück: Bosch war mit seinem Stand gleichermaßen Besuchermagnet und Gesprächsthema.
Zur Messe zurückgekehrt ist auch Laserliner. Durch viele Neuheiten – mehr dazu im Messebericht in dieser Ausgabe – habe es sich für das Unternehmen wieder gelohnt, sich mit einem großen Auftritt zu präsentieren, sagt CEO Martin Wonisch. Er schätzt die Brücke zum Bereich Powertools und die Funktion der Messe als Gradmesser, ob die eigenen Konzepte so richtig sind, sowie den „sehr direkten Austausch“.

Erstmals mit einem Stand auf der Internationalen Eisenwarenmesse vertreten war auch J.B. Weld, ein US-Kleberhersteller, für dessen Produkte Wenko erst kürzlich die exklusiven DACH-Vertriebsrechte übernommen hat. Wenko-Geschäftsführer Niklas Köllner zeigte sich sehr zufrieden: Die Marke sei gut angekommen. Sie genieße bereits eine hohe Bekanntheit unter Profis und Bastlern und soll nun auch an andere Zielgruppen herangetragen werden. Man biete damit „eine Profiqualität zu fairen Preisen“, erklärte Köllner.
Die etwas leereren Messehallen mögen aber auch der Situation im Nahen Osten geschuldet gewesen sein: „Die angespannte Sicherheitslage führte kurzfristig zu Einschränkungen im internationalen Flugverkehr, von denen einzelne Aussteller sowie Fachbesuchende betroffen waren. Zusätzlich erschwerte ein Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr am letzten Messetag die Anreise innerhalb Kölns“, resümieren die Organisatoren, halten aber auch fest: „Dennoch blieb die internationale Beteiligung auf hohem Niveau. Über 90 Prozent Auslandsanteil bei den Ausstellern und 72 Prozent auf Besucherseite belegen die internationale Reichweite der Fachmesse.“
Das gaben auch einige Aussteller an. Die Messe sei „sehr international“, berichtete Senior International Product Marketing Manager Sarah Hölscher von Edding, bei WD-40 bestimmte das den gesamten Messeauftritt: Die Marke trat erstmals gemeinsam mit ihren europäischen Niederlassungen an einem zentralen Gemeinschaftsstand auf. Schon im Vorfeld habe sich ein grenzübergreifendes Team zusammengefunden, berichtete Marketing-Managerin Alicia Pust. „Das macht durchaus Sinn: Gemeinsam lernen und wachsen ist ein Leitsatz von WD-40“, erklärt sie. Auch die am Stand präsentierten neuen Reiniger sowie das Bio-Schmierspray mit Eco-Label hat man gemeinsam gelauncht.
Damit greift das Unternehmen auch einen der Trends auf, die die Veranstalter im Rahmen der Messe identifiziert haben: „Nachhaltigkeit und Recyclinglösungen waren ebenso präsent wie ergonomische Konzepte und Lösungen zum Gesundheitsschutz.“ Stanley Black & Decker präsentierte etwa einen neuen Akkuschrauber mit 50 Prozent Recyclinggehäuse. Die Ergonomie seiner Werkzeuge demonstrierte Wolfcraft an seinem Stand, wo die Produkte live vorgeführt wurden. „Es soll nicht klinisch sein, ein bisschen Staub und Krach gehören dazu“, befand Christian Hurth.
Bei Conmetall Meister lag der Fokus bei der diesjährigen Messe auf Stationen zum Ausprobieren der Produkte: Die Werkzeuge aus den Segmenten Handsägen und Steckschlüsseln der eigenen Marke Connex waren direkt in Aktion erlebbar. Ebenso konnten sich Besucher beim Verarbeiten der Schrauben der Schwesterfirma Schmid Schrauben, für die Conmetall Meister den Vertrieb im deutschen Baumarktsektor übernimmt, von der Qualität der aus Österreich stammenden Befestigungstechnik überzeugen. „Wir präsentieren bewusst nicht mehr nur Wände. Kunden wollen selbst erleben“, weiß Dennis Hüsken.
Gleichwohl wollte die Messe mit dem DIY-Boulevard genau das bewirken, nämlich eine POS-nahe Produktinszenierung bieten – samt Wänden und Zweitplatzierungen: Handel und Einkauf erhielten hier eine kompakte Marktübersicht sowie Inspiration für Sortimentsgestaltung und Warenpräsentation. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Kooperationspartners HHG, Dr. Marie-Charlotte Claßen, ist sehr zufrieden mit der diesjährigen DIY-Passage: „Es gab viel Zulauf – wie auch schon letztes Jahr. Der DIY-Boulevard ist so groß wie noch nie mit 62 Ausstellern.“ Auch Ciret-Geschäftsführer Michael Oppermann ist überzeugt von dem Konzept: „Der DIY-Boulevard ist super. Vom Herstellerverband sind wir sehr vollständig hier.“ Er schätzt die Möglichkeit zum Austausch, auch wenn der Malerwerkzeughersteller ohnehin „täglich im Kontakt mit den Kunden“ stehe.


Gebol nutzte den Boulevard, um sein neues Shop-in-Shop-System vorzustellen, das neben Handschuhen – für die das Unternehmen bislang hauptsächlich bekannt ist – auch ein neues Knieschoner- und Arbeitsschuh-Konzept beinhaltet und sie mithilfe einer besonderen Kundenführung erklärt sowie strukturiert. „Komplexe Sortimente müssen einfach und verständlich kommuniziert werden“, findet Verkaufsleiter Thomas Schrader.
Ein neues Kundenleitsystem stellte auch Fischer vor: Der Dübelspezialist bietet Holzbau-, Spezial-, Trockenbau- und Edelstahlschrauben für unterschiedliche Anwendungen der Profis und Do-it-Yourselfer. Ein klares Farbleitsystem auf den Verpackungen und am POS macht jetzt die Orientierung im Geschäft noch einfacher, berichtete Marco Gundacker. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem neuen Hybrid Power Dübel, der die einfache Montage und Flexibilität eines Kunststoffdübels mit der höheren Sicherheit eines Metalldübels kombiniert.
Zahlreiche Aussteller präsentierten sich mit Konzepten, die den professionellen Kunden ebenso wie den Heimwerker ansprechen, während andere speziell auf ihre Zielgruppe zugeschnittene Lösungen zeigten. Eher von Profis genutzt, aber auch im Baumarkt vertreten, sind etwa Kellen des Eigenmarken-Spezialisten Haromac. Seit über 100 Jahren stellt das Unternehmen Werkzeuge in Deutschland her. Am Stand unterstrich Haromac diese Tradition und berichtete zudem von Weiterentwicklungen, Möglichkeiten der Personalisierung und die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. „Wir haben extrem viel in Maschinen investiert“, unterstrich die geschäftsführende Gesellschafterin Adina Lück-Weschenbach.
Insbesondere bei professionellen Endanwenderinnen und -anwendern beliebt war der neue Eisenworkshop: Internationale Creator aus unterschiedlichen Gewerken demonstrierten live den Einsatz moderner Werkzeuge und Technologien aus dem Ausstellerportfolio. „Mit Formaten wie diesem entwickeln wir die Messe konsequent weiter“, unterstrich Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese.
Die nächste Internationale Eisenwarenmesse findet vom 7. bis 10. März 2028 in Köln statt – erneut von Dienstag bis Freitag.
Laura Rinn
„Innovation schlägt Depression“
Im Rahmen der Messe fand auch in diesem Jahr wieder das BHB-Forum statt, bei der der BHB-Branchen-Award verliehen wird: Preisträger in der Kategorie „Best of Product“ ist Saint Gobain/Isover mit dem Dämmstoff Lanaé. In der Kategorie „Best of Communication“ wurde Your Homie AI für einen KI-Assistenten ausgezeichnet, der speziell für die Beratung von Kunden und zur Unterstützung des Personals in Baumärkten entwickelt wurde. Gewinner in der Kategorie „Best of Process“ ist Euro Plant Tray mit dem Mehrwegsystem zur europaweiten Pflanzenlogistik. Metten Stein & Design ist mit seinem Betonstein Corico Eco Terra Zero, der ohne Zement produziert wird, Preisträger der Kategorie „Best of Eco“. Darüber hinaus vergab die Jury einen Sonderpreis an FN Neuhofer, das mit einer voll recycelfähigen Leiste angetreten ist – und als Familienunternehmen mit einer 375-jährigen Geschichte geehrt wurde. Bei der Verleihung des Preises brachte Susanne Jäger, Vorständin bei Hornbach und stellvertretende Sprecherin des BHB-Vorstands, den Geist der Veranstaltung so auf den Punkt: „Innovation schlägt Depression.“
Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 5/2026.










