Die Trends der Frankfurter Konsumgütermessen zeigen, wie Gegensätzliches und Kontrastreiches sich unterscheiden und dennoch harmonieren kann. Unter den Titeln Coexistence (Ambiente) und Beloved Difference (Christmasworld) haben Annetta Palmisano und Claudia Herke vom Stilbüro Bora.Herke.Palmisano auch in diesem Jahr wieder die prägenden Stilrichtungen für die kommende Saison herausgearbeitet.
Clear + Lovely zeigt ein „modernes Lebensgefühl, das Nostalgisches miteinschließt“, erläutert Palmisano. Klare, sachliche Gestaltung sei hier ebenso stilprägend wie der Sinn für verspielte, poetische Designs. Werkstoffe mit taktilen Oberflächen und verschiedene handwerkliche Techniken kommen zum Einsatz. Sie werden mit funktionellen oder künstlerischen Details versehen. Helle, taktile Naturmaterialien treffen auf sanfte und kontrastreiche Farben.
Bei der Christmasworld dominieren Keramik, Wachs, Glas und Holz sowie Bast. Das Design ist minimalistisch. Zarte, matte Oberflächen strahlen zusammen mit ruhigen Farbtönen Klarheit aus.
Die Trendrichtung Structural + Emotive will Funktion und Emotion miteinander in Einklang bringen. Grafische Kontraste und geometrische Formen rücken in den Fokus. Sitzmöbel in Würfel-, Zylinder- oder Kugelform lassen sich miteinander kombinieren. Bei den Musterungen der Christbaumkugeln liegt die Aufmerksamkeit auf einem grafischen Rhythmus. Texturierte Oberflächen unterstreichen die Wirkung des Materials.

Die Farbgebung ist zurückhaltend und gleichzeitig kontrastreich: schwarz und weiß, kühl und warm. Das soll eine zeitlose Ästhetik schaffen, die Ruhe und Reflexion unterstützt.
„Nichts anderes wirkt auf unsere Emotionen so direkt und eindrücklich wie Düfte“, weiß die Trendforscherin. Wohndüfte können Umgebungen eine charakteristische Signatur verleihen. Und auch der Werkstoff selbst kann auf diese Weise erlebbar sein, etwa bei einem Sessel, der nach Zedernholz riecht.
Der dritte Stil, den die Trendexperten identifiziert haben, Noble + Fancy, erlaubt einen Blick in eine „zeitgenössische Wunderkammer“ – unkonventionelle Sammlerstücke, die an Haute Couture erinnern, beschreibt Palmisano diese Richtung. Hier zeigen sich Einflüsse von Mode, Wohndesign, Kunst und Handwerk.
„Ruhig und lebhaft, klassisch und stylisch – auch die Farbreihe unterstützt Gegensätze“, unterstreicht sie. Hier finden sich edle Holztöne, opulente Farben und florale Nuancen.
Die Messe für saisonale Dekoration setzt darüber hinaus auf klassisches Tannengrün, raffinierte Blüten und Adventskerzen mit Objektcharakter. „Immer steht hier die Einzigartigkeit im Vordergrund“, hält Palmisano fest.


Das gilt auch für die Trends der Creativeworld-Messe, die zeitgleich in Frankfurt stattfindet. Die drei Trendrichtungen für das kreative Arbeiten orientieren sich an verschiedenen Räumen: der Küche, dem Balkon und dem Schlafzimmer. Unter dem Überthema Home Sweet Home zeigen sie das Zuhause als einen „Ort, an dem wir uns wohl und geborgen fühlen, als einen Ort für Rückzug, Freunde und Familie und für gemeinsame Momente. Er soll zu uns passen – persönlich, individuell und mit eigener Handschrift“, so Herke.
In der Küche erhalten klassische Gegenstände wie Schneidebretter oder Küchentücher durch nostalgische Muster ein neues Aussehen. Balcony moments erweitert den Wohnraum nach draußen. Der Balkon wird zum persönlichen Rückzugsort. Hier werden Lichterketten mit Lampenschirmen aus Papier geschaffen, Wohntextilien gewebt und Teelichthalter gehäkelt – aber nicht klassisch mit Garn, sondern mit Draht.


Beim dritten Trendthema geht das Designstudio auf einen ganz besonders sensiblen und persönlichen Moment ein, den Schlaf. „Umso wichtiger ist eine Umgebung, die Sicherheit und Geborgenheit gibt“, erklärt Herke. Die Dessins greifen mit zarten, floralen Illustrationen sowie nostalgischem Charakter durch Blüten und Insektenmuster diese Stimmung auf. „Alles, was mit den eigenen Händen entsteht, kann das Zuhause bereichern“, fasst die Trendexpertin zusammen.
Die Messen Ambiente, Christmasworld und Creativeworld finden vom 29. Januar bis 2. Februar in Frankfurt am Main statt.
Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 10/2026.












